In einer Studie mit 591 Kindern im Alter zwischen 5 und 13 Jahren konnten Gembris und Schellberg (2003, 2007) zeigen, dass in den ersten beiden Schuljahren eine typische Offenheit gegenüber verschiedensten musikalischen Stilrichtungen besteht. Etwa ab der 3. Klasse nimmt diese (in Anlehnung an Hargreaves, 1982) als Offenohrigkeit bezeichnete musikalische Aufgeschlossenheit deutlich ab, wobei sich die musikalischen Vorlieben zunehmend auf Popmusik verengen und andere Stilrichtungen aus den Präferenzen ausgeschlossen werden. Einige Autoren haben dieses Phänomen durch verschiedene (Replikations-) Studien in unterschiedlicher Weise weiter untersucht (Lehmann & Kopiez, 2011; Louven & Ritter, 2012) oder auch in Zusammenhang mit der Händigkeit gebracht (Christman, 2013). In diesem Beitrag werden zunächst die Ergebnisse einer Replikationsstudie berichtet, die von Lontke (2006) durchgeführt wurde. Das Ziel der Arbeit bestand darin, die Ergebnisse von Gembris und Schellberg (2003) an einer anderen Stichprobe zu überprüfen. Während es sich bei den Probanden von Gembris und Schellberg (2003) um Kinder aus gut situiertem Mittelschichtmilieu einer bayerischen Kleinstadt handelte, die kulturell homogene Schulklassen ohne ausgeprägten Migrationshintergrund besuchten, wurde die Replikationsstudie von Lontke (2006) in einer anderen Region (Nordrhein-Westfalen) an einer kulturell heterogenen Grundschule mit einem sehr hohen Anteil (ca. 80 %) von Kindern mit Migrationshintergrund durchgeführt (N= 273). Die Methode der Durchführung, Versuchsmaterialien (Musikbeispiele, Fragebogen) sowie die Auswertungsmethode wurden vollständig aus Gembris und Schellberg (2003) übernommen. Die Ergebnisse zeigen signifikante Altersunterschiede und sind denen von Gembris und Schellberg (2003) sehr ähnlich. Sie bestätigen sowohl die Offenohrigkeit in den ersten beiden Grundschuljahren, ihr Verschwinden in der zweiten Hälfte der Grundschulzeit als auch die früheren Befunde zu Geschlechterunterschieden in den musikalischen Gefallensurteilen. In einem weiteren Schritt wurden die Daten der Ausgangsstudie von Gembris und Schellberg mit denen der Replikationsstudie zusammengeführt (N = 837). Insgesamt bestätigen die Ergebnisse die vorangegangenen Befunde und zeigen, dass der Befund der Offenohrigkeit und ihr Verschwinden im Laufe der Grundschulzeit sehr robust ist und sich mit einigen Varianten auch in heterogen zusammengesetzten Grundschulklassen replizieren lässt. In der Diskussion werden die Stellung der Offenohrigkeit im Gesamtkontext der Erforschung musikalischer Präferenzen in der Kindheit kritisch erörtert sowie inhaltliche und methodische Perspektiven für die künftige Forschung aufgezeigt., The term "open-earedness" was first introduced by Hargreaves (1982) and designates a kind of openness to "unconventional" music which disappears in the course of the elementary school years. In order to examine the open-earedness, Gembris and Schellberg (2003; 2007) carried out a study with 591 children (5-13 years) who indicated their preferences for eight very different musical genres. The results showed that there is a typical openness to different musical styles in the first two years of schooling, disappearing in the 3rd or 4th grade, confirrning the idea of open-earedness. Furthermore, typical gender related differences appeared: the female listeners preferred the classical and pop music examples, while the male showed a greater acceptance of the avantgarde and ethno-music. Some authors investigated this phenomenon in replication-studies (Lehmann & Kopiez, 2011) and in studies employing other approaches (Louven & Ritter, 2012; Christman, 2013). Their results confirmed the above-mentioned results, but also revealed some differences. The aim of this paper is twofold: First, we report an unpublished one-to-one replication of the Gembris and Schellberg study, carried out by Lontke (2006) employing a sample of elementary school children including a high proportion (about 80 %) of children with a migrant background (N= 273) in order to explore possible effects of socio-cultural factors. The procedure, test materials (music examples, questionnaires) and the evaluation method were identical with that of Gembris and Schellberg (2003). The results were very similar those of Gembris and Schellberg. In a second step, we combined the data from the initial study of Gembris and Schellberg with the data of Lontke (2006) and re-analyzed them (N= 837). Overall, the results confirm the previous findings and show that the open-earedness in the first years of elementary school and its disappearance in the 4th grade is very robust phenomenon which can be replicated with some variations in heterogeneous composite primary school classes. In the discussion we reconsider the position of the open-earedness in the overall context of the exploration of musical preferences in childhood and suggest some perspectives for future research.