Die im Rahmen der Forschungsprojekte zum Kulturtransfer zwischen Kroatien und dem deutschsprachigen Raum an der Abteilung für Germanistik der Philosophischen Fakultät der Universität Zagreb entstandene Doktorarbeit "Die deutschsprachige Gegenwartsdramatik auf Zagreber Bühnen 1945–1990" knüpft an vorherige Untersuchungen zur Rezeption der deutschsprachigen Dramatik in Kroatien an und verfolgt primär folgende Ziele: die Rekonstruktion von Inszenierungen der Stücke von ausschließlich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wirkungsvoll tätigen Autoren aus Österreich, der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Demokratischen Republik und der Schweiz auf den Bühnen in Zagreb, die Systematisierung und die Analyse ihrer Rezeption im Zagreber Theaterbetrieb und in den Medien – wobei auch ein Vergleich zur Rezeption dieser Titel im deutschsprachigen Raum vor der Premiere in der Hauptstadt Kroatiens geleistet wird – sowie die Bestimmung und die dokumentarische Darstellung der Position dieser Werke und ihrer Autoren in der Geschichte des kroatischen Theaters und im gesellschaftlich-politischen Rahmen jener Zeit, in der Zagreb und Kroatien dem Bund südslawischer Republiken, Jugoslawien, angehörten. Die Dissertation möchte die Ergebnisse der vielschichtigen Untersuchung in Form einer dokumentarischen Grundlagenarbeit vorlegen und somit die Basis für weitere Untersuchungen schaffen bzw. diese überhaupt ermöglichen. Die Erschließung der Geschichte des Theaters in Zagreb zwischen 1945 und 1990 findet auf der Grundlage von drei theoretischen und methodischen Stützen statt: auf der Basis eines kulturwissenschaftlichen, die Methode des Kulturtransfers berücksichtigenden Interesses, nach der philologischen rezeptionsgeschichtlichen Theorie von Gunter Grimm und nach theaterwissenschaftlichen Überlegungen von Erika Fischer-Lichte, Nikola Batušić, Jean Duvignaud und anderen. Sie bestimmen den Umgang dieser Arbeit mit der Theaterpraxis und mit den schriftlichen Materialien, die in den Archiven im In- und Ausland ermittelt wurden – vornehmlich den Texten und Artikeln aus Tageszeitungen und sonstigen Periodika, Theaterrepertoires, Programmheften zu Inszenierungen, publizistischen Aufsätzen von Theaterschaffenden und Kritikern sowie Forschungsbeiträgen. Die fünfteilige Struktur der Arbeit mit den Kapitelüberschriften "Einleitung", "Methodische und theoretische Grundlagen", "Die deutschsprachige Gegenwartsdramatik in Zagreb – Chronologie 1945–1990", "Abschließende Betrachtungen" und "Literatur" hebt als Schwerpunkt das dritte, längste Kapitel hervor. In Form von dreißig dokumentarischen Fallstudien, die zugleich auch als autonome Texte lesbar sind, wird darin eine vielschichtige Analyse der Rezeption von mehr als dreißig Stücken deutschsprachiger Gegenwartsdramatiker in der kroatischen Hauptstadt ausgebreitet und, darüber hinaus, Einblick in die kroatische Aufnahme der auf den Bühnen vorgestellten Künstler gegeben, unabhängig von ihren ins Zagreber Repertoire aufgenommenen Stücken. Die einzelnen Unterkapitel in diesem Bereich der Arbeit tragen als Überschriften die Titel der jeweils näher beleuchteten Inszenierung, sind in chronologischer Folge der gespielten Aufführungen angeordnet und widmen sich – theaterästhetische, -soziologische und -historische Aspekte beachtend – den szenischen Darstellungen der Texte von Hans Friedrich Kühnelt, Wolfgang Borchert, Friedrich Dürrenmatt, Peter Hirche, Hermann Gressieker, Max Frisch, Peter Weiss, Peter Handke, Günter Grass, Heiner Müller, Peter Hacks, Hans Krendlesberger, Wolfgang Hildesheimer, Ulrich Plenzdorf, Franz Xaver Kroetz, Patrick Süskind, Thomas Bernhard, Wolfgang Bauer, Peter Turrini, George Tabori und, in einem breiter angelegten Exkurs zum Anteil der deutschsprachigen Künstler am Zagreber Theater für Kinder und Jugendliche, den in Zagreb aufgeführten Werken von Autoren des Berliner Kollektivs GRIPS. Die Studien verbinden die detaillierte mediale Rezeptionsanalyse der deutschsprachigen Gegenwartsdramatik mit einer Reihe von Aspekten aus der Theater-, Dramen- und gesellschaftlich-politischen Geschichte Kroatiens und Jugoslawiens. Dabei beschränkt sich die Dissertation nicht nur auf die Produktionen von größeren Theaterhäusern der Stadt (Hrvatsko narodno kazalište, Zagrebačko dramsko kazalište, Stadttheater Komedija, Teatar ITD, Zagrebačko kazalište mladih), sondern berücksichtigt auch die Projekte der sogenannten freien Ensembles und Studententheater, die von der breiten Öffentlichkeit meistens schwach oder kaum wahrgenommen wurden.